Der Schriftsteller Levin Westermann erhält den mit 5.000 Euro dotierten Arno-Reinfrank-Literaturpreis der Stadt Speyer 2027. Ausgezeichnet wird Westermann für die Gedichtbände "farbe komma dunkel" und "bezüglich der schatten", stellvertretend für sein bisheriges Gesamtwerk.
In der Jurybegründung heißt es:
Levin Westermann ist ein zurückhaltender Einzelgänger in der Landschaft der deutschsprachigen Gegenwartslyrik. Seine Gedichte arbeiten stets mit sparsamem Vokabular und mit präziser Motivik. Sie entfalten Szenarien des Einsiedlertums, der Fremdheit und Befremdung, der existenziellen Geworfenheit. Man begegnet in den kargen Endzeitlandschaften eigenartigen Gestalten, und schrecklichen Engeln, "die sich mit Staub vollstopfen", einem Reh, das bewusst vor einen Zug läuft. Wälder brennen, in den Städten staut sich der Verkehr - die Zeit von Levin Westermanns Gedichten ist zweifellos die Endzeit. In ihrer großen Härte und ihrer Verwandtschaft zum Schweigen sind diese Gedichte in ihrem sprach- und menschenkritischen Blick auch Zeichen einer Widerständigkeit. Sie biedern sich nicht an, sind Erben einer sprachskeptischen Tradition im Sinne Ilse Aichingers. Deren poetologische Aussage "Ich gebrauche jetzt die besseren Wörter nicht mehr" trifft auch auf die Gedichte von Levin Westermann zu.
Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 24. Februar 2027 in Speyer statt, am darauffolgenden Abend wird Levin Westermann im Rahmen der literarischen Reihe "SPEYER.LIT - Lesung. Performance. Livemusik" aus den preisgekrönten Bänden lesen.
Über den Preisträger Levin Westermann
Levin Westermann, geboren 1980 in Meerbusch, ist Lyriker und Essayist und lebt in Biel (CH). Er studierte Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main sowie von 2009 bis 2012 am Schweizerischen Literaturinstitut Biel. Mit "Schimmelpilz als Zwiebelmuster" gewann er 2010 den Lyrikpreis beim XVIII. open mike. 2012 erschien sein Debütband "unbekannt verzogen", der 2014 mit dem Wiesbadener Lyrikpreis Orphil ausgezeichnet wurde. 2013 war Westermann Stipendiat am Literarischen Colloquium Berlin. Für seinen 2019 erschienenen Lyrikband "bezüglich der schatten" erhielt er 2020 den Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg. 2020 wurde er von Hubert Winkels zu den 44. Tagen der deutschsprachigen Literatur eingeladen und erreichte die Shortlist des Ingeborg-Bachmann-Preises. Zuletzt erschien sein Romandebut "Zugunruhe" (2024) im Verlag Matthes & Seitz.
Die Jury des Arno-Reinfrank-Literaturpreis
Der mit 5.000 Euro dotierte Arno-Reinfrank-Literaturpreis wurde 2006 ins Leben gerufen. Seitdem wird er alle
Die Jury besteht derzeit aus Jeanette Koch (Stifterin, Witwe von Arno Reinfrank), Dr. Eckhart Pilick (Autor), Ingo Rüdiger (Literaturbüro e. V. Mainz für Rheinland-Pfalz, Verleger des Ventil Verlags), Prof. Dr. Alexander Schubert (Bürgermeister der Stadt Speyer für Kultur, Soziales, Bildung und Sport), Katharina Schultens (Autorin und Leiterin des Hauses für Poesie Berlin e. V.) und Beate Tröger (Literaturkritikerin).
Text: Mit freundlicher Genehmigung der Pressestelle der Stadt Speyer
Bild honorarfrei, © Naomi Pinnock